Anthropics KI-Modell Claude hat zwei bislang unbekannte Schwachstellen in Kryptografie-Algorithmen entdeckt – darunter in HAWK, einem Kandidaten für die US-Bundesstandards zur Quantencomputer-Resistenz. Die Findings verdeutlichen sowohl die Stärken von KI bei der Kryptoanalyse als auch deren Grenzen bei praktischen Anwendungen.
Claude Mythos Preview entdeckte eine verborgene mathematische Symmetrie im HAWK-Algorithmus, die menschliche Kryptografen übersehen hatten. Dadurch sank der Aufwand zum Diebstahl des kleinsten HAWK-Schlüssels von 2^64 auf 2^38 Operationen – eine Reduktion um etwa 67 Millionen. Das Problem: Die notwendige Behebung würde HAWK's Schlüsselgröße verdoppeln und damit seinen Hauptvorteil – kompakte Schlüssel – aufzehren. HAWK ist derzeit der letzte gitterbasierende Kandidat in NISTs Wettbewerb für Post-Quanten-Signaturen.
Im zweiten Fall optimierte Claude einen Angriff auf die reduzierte 7-Runden-Version von AES um das 200- bis 800-Fache – besser als der bisherige Rekord von 2013. Dabei verbot das Forschungsteam dem Modell alle etablierten AES-Analysemethoden und forderte es auf, einen ganz neuen Angriffsvektor zu erfinden. Jedes Ergebnis kostete etwa 100.000 Dollar API-Nutzung; die Verifikation der AES-Ergebnisse erforderte mehrere hundert Arbeitsstunden.
Entwarnung für Krypto-Nutzer: HAWK wurde noch nie produktiv eingesetzt, und Bitcoin nutzt weiterhin ECDSA. Anthropic koordinierte die Veröffentlichung mit den Algorithmen-Autoren, NIST und US-Behörden. Die Erkenntnisse zeigen KI-Potenzial bei der Kryptoanalyse, unterstreichen aber auch, dass echte Lösungen für Post-Quanten-Sicherheit weiterhin menschliche Expertise erfordern.