Entgegen ursprünglichen Erwartungen werden Stablecoins nicht das Bankensystem umgehen, sondern bauen tiefer in es ein als je zuvor. Institutionelle Zahlungsströme beginnen und enden in Fiat-Währungen – Stablecoins regeln nur die mittlere Phase des grenzüberschreitenden Zahlungsverkehrs.
Der institutionelle Zahlungsverkehr folgt einer klaren Struktur mit drei Etappen: Geld bewegt sich zunächst in der lokalen Währung des Absenders, durchquert dann die Grenze – hier übernehmen Stablecoins die schnelle On-Chain-Abwicklung – und landet schließlich in der lokalen Währung des Empfängers. Während Stablecoins die mittlere Etappe in Sekunden statt Tagen abwickeln können, bleiben Ein- und Ausstieg zwingend bankgebunden. Unternehmen wie Stripe (Kauf von Bridge) und Standard Chartered bauen diese bankenzentrierte Architektur bewusst aus.
Die Realität widerspricht damit der ursprünglichen Krypto-Vision massiv. Von den 208 Billionen Dollar globaler grenzüberschreitender Zahlungen wurden 2025 nur etwa 390 Milliarden Dollar tatsächlich über Stablecoins abgewickelt – weniger als 0,02 Prozent. Die meisten Billionen-Volumina entstehen durch Bots und Handelstransaktionen, nicht durch echte Unternehmungszahlungen.
Stablecoins werden daher nicht als Banking-Ersatz, sondern als Effizienz-Layer innerhalb des bestehenden Bankensystems funktionieren. Bankkonten für Gehälter, Rechnungen und Kapitalflüsse sind unverzichtbar und werden es bleiben. Die kritische Frage für Anbieter lautet: Welche Bankinfrastruktur verbindet zuverlässig mit welchen Settlement-Schienen – und wer hat die Tiefe, um institutionelle Volumen zu halten?